Hier geht es zu Teil eins und zwei der Beitragsreihe.

Also nach den Sofortmaßnahmen (Anhalten, Nachbargleis sperren, Begutachten) hat unser Lokführer festgestellt, dass die Plane sich zwar aufbauscht aber weder in das Nachbargleis „ragt“ noch Personen, welche ggf. am Bahnsteig stehen, gefährden könnte. Also fährt er, nach Rücksprache mit Fahrdienstleiter und dem Disponenten, mit verminderter Geschwindigkeit in den nächsten Bahnhof.

Dort angekommen heißt es in aller Regel erst einmal Warten. Da unser Lokführer nicht zusätzlich zu seinem Rucksack, welcher übrigens nur mit dem nötigsten gepackt rund 11Kg wiegt, noch diverse Werkzeugkästen mitnehmen kann um selbst „Hand anzulegen“. Also warten wir auf die Ankunft des Wagenmeisters (falls noch einer in der Nähe ist und Zeit hat). Die Alternative besteht darin einfach das letzte Drittel des Zuges abzustellen und mit dem Rest weiterzufahren. Nach diversen Telefonaten kristallisiert sich raus das ein Wagenmeister im Bahnhof ist und tatsächlich ein wenig Zeit hat. Heißt für uns (Abgekürzt) nach rund 45 Minuten und einer Plane am Zug weniger, geht die Fahrt weiter. Macht dann in der Abfahrt runde 147 Minuten Verspätung.

Bei Ankunft in der Heimatdienststelle / im Heimatbahnhof ist es 18:25 Uhr dann muss jetzt noch das 3 Minütige Ablösegespräch geführt und ca. 10 Minuten zur Dienststelle / zum Auto gelaufen werden. Unser Lokführer hat also statt wie geplant um 16:11 Uhr um 18:38 Uhr Feierabend. Jetzt muss unser Lokführer noch etwa eine halbe Stunde mit dem Auto nach Hause fahren um wieder bei Frau und Kind sein zu können. Wir erinnern uns Dienstbeginn am Vortag war um 15:57 Uhr heißt er ist gegen 15:20 Uhr am Vortag zuhause losgefahren.

Macht dann 27 (in Worten Siebenundzwanzig) Stunden die er seine Frau und sein Kind alleine zuhause gelassen hat. Als Zeitgutschrift bekommt er dafür etwa 15 (in Worten Fünfzehn) Stunden Arbeitszeit. Falls er für diesen Tag Termine hatte musste er diese auch noch verschieben bzw. besser gleich Absagen denn man weiß nie mit Sicherheit wann man nun ankommt. Vermutlich hat seine Frau auch mit ihm um 17 Uhr gerechnet, weshalb das Essen auf dem Tisch kalt wird und die Familie mal wieder sauer und/oder enttäuscht ist.

Das war jetzt eine bzw. zwei Schichten von durchschnittlich 17 Schichten (lt. Vorplanung!) im Monat. Hier mal eine Übersicht über einen durchschnittlichen Monat als Lokführer im Güterverkehr:

Woche Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
1 20:25 – 06:09 21:35 – 09:22 21:50 – 02:56 20:32 – 08:25 aus Nacht Ruhe Ruhe
2 06:00 – 14:30 06:24 – 16:49 08:09 – 16:34 Ruhe Ruhe 21:01 – 06:10 22:42 – 09:46
3 aus Nacht 03:06 – 14:32 Ruhe 21:47 – 09:22 23:22 – 10:27 aus Nacht Ruhe
4 Ruhe 06:00 – 14;30 09:29 – 18:28 21:47 – 09:22 12:00 – 21:00 12:44 – 22:56 Ruhe

Ich habe absichtlich auf Fahrtziele und sonstige Angaben verzichtet! Zur Erklärung sei noch gesagt: aus Nacht bedeutet das an diesem Tag kein weiterer Dienst vorgesehen ist. Ansonsten sind die Schichten immer auf den Tag geschrieben an dem sie beginnen.

Im nächsten Teil geht es dann um Piloten und ihre Tätigkeiten / Einsatzpläne!

Wird fortgesetzt!