Nun die Debatten über Löhne und Gehälter in unterschiedlichen Berufsgruppen ist so alt wie das Gehalt selbst. Ich würde Sie dennoch gerne hier aufgrund aktueller Geschehnisse wieder aufrollen.

Zunächst wollen wir mal den für mich besten Vergleich aufrollen. Wer bei der Lufthansa eine Pilotenkarriere anstrebt wird mit 63.000 € Brutto Jahres- Einstiegsgehalt belohnt.

Wer eine Karriere als Lokführer bei der DB AG anstrebt wird mit 33.500€ Brutto Jahres- Einstiegsgehalt1 belohnt (?).

Noch schnell ein paar Eckdaten:

Die Ausbildung zum Lokführer dauert als Berufseinsteiger dreieinhalb Jahre, als „Quereinsteiger“ gibt es die Möglichkeit den Beruf in eineinhalb Jahren oder als Schnellkurs (Nur in bestimmten Unternehmen) in neun Monaten. Bei der Lufthansa ist man nach rund zwei Jahren fertig2.

Ich möchte hier einmal kurz einen Schichtablauf des Lokführers vorstellen (nicht überspitzt/übertrieben sondern wirklich erlebt!):

Der Lokführer ist für die sichere und pünktliche Beförderung des Zuges von A nach B verantwortlich. Liest sich erst einmal gar nicht so umfangreich. Jetzt aber mal ein Fallbeispiel wie es täglich mehrmals in Deutschland vorkommt:
Der Lokführer im Güterverkehr hat um 10:09 Uhr Dienstbeginn. Nicht aber an seiner Heimatdienststelle sondern außerhalb3. Am Tag davor hat unser Lokführer um 15:57 Uhr Dienstbeginn gehabt und hat einen Zug rund viereinhalb Stunden über gute 250Km mit Höchstens 90 Km/h befördert. Die Ankunft im Hotel war (sofern alles planmäßig lief) um 23:32 Uhr. Nun aber zurück zum aktuellen Dienst. Um 10:27 trifft er nun im Rangierbahnhof ein und hat heute sogar Glück denn sein Zug ist pünktlich über die Grenze nach Deutschland gekommen und fährt bereits kurz vor dem Rangierbahnhof auf die Zielgerade. Also macht sich unser Lokführer auf den Weg zum Ablösepunkt. Dort angekommen rollt „sein Zug“ auch gerade ins Gleis. Ein kurzes Ablösegespräch mit dem anbringenden Lokführer (3 Minuten sind dafür vorgesehen) und schon weiß unser Lokführer über alle Besonderheiten im Zug Bescheid. Diese können sein: Gefahrgut jeder Art, Länge des Zuges, Gewicht des Zuges, Bremsvermögen des Zuges, besondere Bremsausrüstungen (Flüster- oder Kunststoffbremsen, Besonderheiten der Lokomotive (technische Ausfälle oder ähnliches) sowie über besonders schwer Beladene Wagen und evtl. Lademaßüberschreitungen. Er hat einen Eintrag im Übergabebuch der Lokomotive gemacht und sich von der Vollständigkeit der Fahrplanunterlagen und Regelwerke im Führerstand überzeugt. Dann kann die Fahrt jetzt beginnen (zur Erinnerung 3 Minuten).

Jetzt hat unser Lokführer eine Fahrzeit von rund fünf Stunden bei maximal 100 Km/h vor sich. Sie fragen sich jetzt bestimmt wieso auf einmal fünf Stunden, hat er doch für den Hinweg nur viereinhalb gebraucht?
Die Antwort ist ganz einfach! Auf dem Hinweg war er Abends/Nachts unterwegs weshalb kein Regionalverkehr und nur sehr wenig Fernverkehr an ihm vorbei mussten.

Wird fortgesetzt!

  1. Inklusiv aller Zulagen als Streckenlokführer in der Lohngruppe Lf5 [«]
  2. vgl. Lufthansa Cockpit Careers [«]
  3. Sogenannte Übernachtungsschichten sind zwar nicht die Regel aber auch nicht so selten [«]