Ich habe in den Letzen Tagen etwas mehr als sonst auf die Berichterstattung in den Deutschen Medien geachtet. Und mir ist eines aufgefallen: Es gibt nur noch Extreme!
Sei es beim Lokführer- und Zugbegleiter-Streik oder bei EBOLA oder dem neuen Lieblingsthema HoGeSa. Einen Mittelweg gibt es nicht, entweder es wird gar nichts berichtet oder es ist sofort ganz Deutschland in Gefahr und eine ausgeprägte Massenpanik steht kurz bevor

Das nicht ganz Deutschland einer Meinung ist gibt schon der Grundgedanke unseres Landes mit sich. Muss man denn dann als „Unabhängige Berichterstatter“, welche die Zeitungen und Fernsehsender ja sein wollen, immer alles aus einer Perspektive und dann auch gleich als absolutes extrem Präsentieren? Sollen wir uns wirklich damit abfinden das die Pressefreiheit in unserem Land mittlerweile als Stimmungsmaschine für das gemeine Volk missbraucht wird?

Als Beispiel möchte ich hier mal die Berichterstattung über die aktuelle Tarifrunde bei der Bahn anführen. Bisher ging es den Medien in vier von fünf Berichten darum den Chef der Lokführergewerkschaft Weselsky als den Ultimativen Bösewicht darzustellen. Mittlerweile muss ich gestehen hat sich die Berichterstattung dahingehend verändert das drei von fünf Artikeln zumindest neutral sind. Dies setze ich allerdings auch angesichts der Entwicklungen in Berlin voraus. Dort wurde ja dieser Tage ein Gesetz vorgestellt welches die Tarifzersplitterung in Deutschland bekämpfen soll.

Tarifzersplitterung in Deutschland? Ja ich frage mich auch wann die ganzen Streiks stattgefunden haben sollen, welche diesen Umstand belegen. In unseren Nachbarländern z.B. Frankreich sieht es da doch ganz anders aus. Wird dort doch wirklich jedes Jahr im Bahnverkehr gestreikt um Forderungen durchzusetzen.

Man möchte meinen der Erfolg gibt ihnen Recht – zumindest wenn man sich die aktuell aus dem Boden schießenden „Nachrichtenportale“ wie Heftig.co oder Wahnsinn.co ansieht.
Ist es wirklich so? Brauchen wir mittlerweile ein extrem um Aufmerksam zu werden? In den Fernsehnachrichten bekommen wir jedes Jahr vom Jahrhundert-Sommer oder Winter, von der Jahrtausend-Flut in Kleinkleckersdorf1, und dem Jahrhundert-Waldbrand in den USA der noch nie so schlimm war zu hören. Diese Formulierungen sind sehr gut geeignet um Aufmerksamkeit zu erregen, beziehen sich jedoch immer nur auf den gefilterten Inhalt innerhalb eines kleinen begrenzten Umkreises.

Wohin führt das alles? Man unterstelle mir Schwarzmalerei aber irgendwann hören wir gar nicht mehr hin wenn eine Meldung über den Ticker kommt welche nicht mit „Jahrhundert-****“ oder „schlimmstes **** aller Zeiten“ aufwarten kann. Ergo gehen alle vermeintlich unwichtigen Meldungen unter, es interessiert sich bald niemand mehr für vermeintlich nichtige Meldungen. Keine Zeitung würde jemals das Titelblatt damit füllen das die USA immer noch die deutschen Goldreserven nicht herausgeben will. Dies stellt nämlich kein Jahrtausend-Verbrechen dar, bei dem die Welt innerhalb von 48 Stunden unterzugehen droht. Bei der aktuellen Debatte um HoGeSa allerdings sieht es anders aus. Menschen Demonstrieren (zugegeben nicht ganz Gewaltfrei) gegen die Augenwischerei und Rekrutierung von Jugendlichen durch Salafisten in Deutschland. Und die Presse schreit Mord und Totschlag. Die Frage ist bloß – Warum?

 

  1. Der Einfachheit halber ein Erfundener Name [«]