Nun es dürfte keinem entgangen sein das seit Anfang September zwei Warnstreiks stattgefunden haben. Es wurde viel, auch nur teilweise wahres, in den diversen Medien berichtet. Ich will einmal versuchen alle Fakten zusammenzutragen um etwas Licht in das Dunkel der Massenmedien zu bringen. So zum Beispiel beim ersten Warnstreik am Montag Abend der laut der Presse NUR den Güterverkehr treffen sollte. Nun hier kann ich nur einen Ur-alten Spruch zitieren „wer lesen kann ist klar im Vorteil!“ denn in der Pressemitteilung hieß es:

Der erste Streik soll im Schwerpunkt den Güterverkehr treffen, weniger die Fahrgäste, um die sich die DB AG offensichtlich kaum Sorgen macht. Das Zugpersonal tut dies hingegen und tritt deshalb erst zu diesen schwächeren Verkehrszeiten in den ersten Warnstreik.

Dies allerdings nur einmal beispielhaft zu den diversen, nun ich nenne sie mal, „Missverständnisse“ welche durch die Bahn und Presse Kommuniziert werden.
Mittlerweile ist es ja selbst der Tagespresse zu entnehmen, dass diese „Fauxpallas“1 nicht zufällig geschehen. Einen schönen Kommentar aus der Frankfurter Rundschau vom 4.10. findet ihr hier:

Nun in seinem Interview mit der BamS hat sich der Personalvorstand über die insgesamt 15% die gefordert würden beklagt. Ich könnte jetzt eine Gegenrechnung aufmachen, will ich aber nicht. Es ist ein offenes Geheimnis das Bundesweit etliche Lokführer fehlen. Die Gesetzlichen und Tarifvertraglichen Regelungen geben zum Thema Arbeitszeit folgendes wieder:

Höchstzulässige Arbeitszeit nach Arbeitszeitgesetz:

Zeiten im Sinne des ArbZG sind alle Zeiten innerhalb einer Schicht außer Gastfahrt, Tätigkeitsunterbrechung und Pausen.

  • 10 Std, wenn im halbjährlichen Durchschnitt 8 Stunden nicht überschritten werden.
  • 12 Std, wenn in der Schicht erheblich (30%) Bereitschaft enthalten ist.
  • 12 Std, an Sonn- und Feiertagen
  • Unbegrenzt im Fall des §14 ArbZG (Notfall, Katastrophenfall muss von Konzernzentrale/Zentrale Mainz angeordnet sein)

Pausen nach Arbeitszeitgesetz:

  • Nach mehr als 6 Std Arbeit im Sinne des ArbZG = 30 Minuten
  • Nach mehr als 9 Std Arbeit im Sinne des ArbZG = 45 Minuten

Höchstzulässige Schichtlänge nach LfTV:

  • 14 Std, ab 12 Std Schichtlänge muss mindestens eine zweistündige Tätigkeitsunterbrechung in der Schicht enthalten sein.

Höchstzulässige Arbeitszeit im 7-Tage-Zeitraum (168 Std):

  • 60 Std

Erforderliche Mindestruhe von 36 Std:

  • Nach 6 Tagen (144 Std), Mindestruhe 36 Std darf nicht öfter als 2x hintereinander geplant werden.

Mindestlänge Übergangsruhe zur Folgeschicht:

  • 11 Std, in Ausnahmen 10 Std (Ruhezeit muss aber mindestens die Länge der Dauer der Vorschicht haben)

Höchstzulässige Nachtarbeit (23-4 Uhr):

  • 4x hintereinander (mit Zustimmung durch BR 5x hintereinander)
  • 500 Std im Jahr (Überschreitung mit Betriebsvereinbarung möglich)

Höchstzulässige Schichtzahl pro Jahr:

  • 261 Schichten abzüglich Anzahl der Feiertage und Mehrleistungsstunden

(Anzahl ML-Stunden geteilt durch Faktor 8 ergibt die Anzahl der Schichten, die von 261 abgezogen werden).

Höchstzulässige Fahrzeit auf Tfz:
9 Std am Tag
8 Std in der Nacht (Fahrzeit fällt mit mehr als 3 Std in die Zeit von 23–6 Uhr)
5 ½ Std ununterbrochen (Unterbrechungen müssen > 10 min. sein)

(Diese Aufzählung ist nicht erschöpfend und hat keinen Anspruch auf Vollzähligkeit!)

Das alles muss der TF während seiner Schicht selbst im Auge behalten und während der Zugfahrt immer wieder Kontrollieren. Und wer jetzt glaubt die hier gegebenen Grenzen würden einen Großzügigen Rahmen darstellen irrt leider! Diese Grenzen werden immer wieder fast komplett ausgereizt.

Wer sich das dann einmal vorstellt wird bemerken das ein Lokführer im Monat durchaus mal auf 200 Arbeitsstunden kommt2. Und wie das dann mit Familie und ausruhen verbunden werden kann wird sich hoffentlich jeder denken können.

Und wer noch etwas tiefer in die Materie eindringen möchte dem sei der Facebook-Beitrag von Sven Schmitte empfohlen:

  Soviel erstmal von mir, ihr seid herzlich eingeladen zu Kommentieren und Fragen zu stellen!
  1. Entschuldigt bitte das Wortspiel! [«]
  2. Ich persönlich liege im durchschnitt des letzten Jahres bei rund 195 Stunden [«]